Gefüge

Verfahren zur Bestimmung der Randentkohlung

 
Entkohlung ist ein Vorgang der bei der Warmformgebung (z.B. Walzen , Schmieden) oder Wärmebehandlung (z.B. Glühen , Härten) von Werkstücken stattfindet. Dabei entzieht der in der Luft vorhandene Sauerstoff dem glühenden Werkstoff Kohlenstoff. Beim Härten des Material hat dies dann eine schlechtere Härteannahme im entkohlten Bereich zur Folge. Je nach Werkstoff und Wärmebehandlungszustand verlangt die Bestimmung der Entkohlungstiefe die Anwendung spezifischer Beurteilungskriterien.

Untereutektoide Stähle :
Bei weichgeglühten Stählen gibt es nicht nur eine Ausbildungsform der Randentkohlung. In Abhängigkeit von der Stahlsorte, dem Grad der Entkohlungsstärke und vom Ausgangsgefüge vor der GKZ-Glühung kann eine Randentkohlung entweder als Zone mit reiner Verringerung der Karbiddichte oder auch als Zone mit Verringerung der Anzahl von Karbiden in Kombination mit erhöhten Anteilen an freiem Ferrit vorliegen. Unter Karbiddichte ist das Maß der Anzahl von Karbiden, innerhalb einer definierten Fläche, zu verstehen.
Bei unbehandelten Bau- und Werkzeugstählen zeigt sich die Randentkohlung meist in Form eines höheren Anteils von Ferrit in der Randzone oder die Art und Ausprägung der Zwischenstufe in diesem Bereich ist eine andere.
Bei vergüteten Bau- und Werkzeugstählen ist die Entkohlung im Bereich eines stärkeren Verlustes an Kohlenstoff durch das Vorhandensein von Ferrit gekennzeichnet. Im Anschluss an diese Zone, Bereich der leichteren Kohlenstoffverarmung, kann sich meist kein Martensit sondern nur Zwischenstufe ausbilden. Das Gefüge ändert sich dann meist gleichmäßig bis zum Erreichen des vollen Kohlenstoffgehaltes.

Übereutektoide Stähle :
Bei GKZ-geglühten übereutektoiden Stählen tritt am häufigsten eine Form der Randentkohlung auf, die sich aus einer Zone mit lamellarem Perlit und daran anschließendem Bereich mit Karbidverarmung zusammensetzt. Oft ist aber auch nur der Bereich mit lamellar Perlit vorhanden. Seltener ist eine Entkohlung festzustellen in der nur ein karbidverarmter Bereich vorliegt.
In unbehandeltem Zustand ist bei diesen Stählen die Entkohlung entweder durch das Fehlen von Sekundärzementit oder durch das Auftreten von Ferrit gekennzeichnet. Je nach Abkühlgeschwindigkeit des Walzgutes kann auch das Auftreten von Martensit in der Randzone, bei ansonsten sorbitischem Gefüge, ein Hinweis auf eine vorhandene Entkohlung sein.
Bei vergütetem Material ist die Randentkohlung an einer verringerten Menge von ungelösten Karbiden zu erkennen. Die Grenze der Entkohlung ist dort festzulegen, wo die Anzahl an ungelösten Karbiden weniger als 80% der Menge des unbeeinflussten Grundgefüges beträgt. Oft weist das Gefüge in diesem Bereich auch eine geringfügig schwächere Ätzwirkung auf und erscheint dadurch etwas heller.

Hoch legierte Stähle :
Bei höher legierten Stählen in GKZ-geglühter Ausführung zeigt sich die Randentkohlung in einem geänderten Ätzverhalten. Auf Grund der Kohlenstoffverringerung ist in diesem Bereich eine höhere Korrosionsbeständigkeit vorhanden. Die Zone mit Entkohlung ätzt dadurch wesentlich langsamer an. Je stärker der Kohlenstoffverlust, desto schwächer die Anätzbarkeit.

 

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