Gefüge

Dendriten und ihre Entstehung

 
Allgemein sind unter Dendriten gerichtet erstarrte Kristallite mit tannenbaumartiger Struktur zu verstehen. Bei der Erstarrung der Schmelze bildet sich zuerst ein sogenannter Stamm. Von hier aus wachsen kleinere Seitenverzweigungen in die Schmelze und die interdendritischen Räume. Die zuerst gebildete Dendritenebene ist legierungsärmer als die im weiteren Verlauf entstehenden Dendritenarme und die erstarrte Schmelze in den Resterstarrungsfeldern (interdendritischer Raum). In Abhängigkeit von der Entstehungsebene wird bei der Definition von dendritischen Kristallen zwischen primären, sekundären und tertiären Armen unterschieden. Im Laufe der weiteren Abkühlung der Schmelze dehnen sich diese Gebilde immer weiter aus bis sie aneinanderstoßen und die Schmelze erstarrt ist. Am Ende sind tannenbaumartige Kristalle entstanden. Man unterscheidet zwischen gerichteten, orientierten und ungerichteten Dendriten. Die jeweilige Ausbildungsform und Anordnung im Erstarrungsgefüge ist von den Abkühlbedingungen (Bedingungen des Wärmetransports) abhängig.

Bildung von Dendriten :
Abkühlbedingungen und der Grad an Verunreinigungen und/oder Legierungselementen beeinflussen die Bildung von Dendriten. Verunreinigungen, Legierungs- und Spurenelemente können sich in der Restschmelze bzw. vor der Erstarrungsfront anreichern und die Erstarrungstemperatur absenken. Die Wärmeleitung in der festen und der flüssigen Phase spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Dendriten und deren Wachstum. Erstarrungsvorgänge verlaufen unter Freisetzung von Wärme ab (exothermer Vorgang). Die bei der Erstarrung freigesetzte Wärme kann entweder über die Schmelze oder über den erstarrten und wachsenden Kristall abgeführt werden.
1. Temperatur im Kristall ist niedriger als in der Schmelze.
Wird die Wärme über den Kristall abgeführt, so bleibt die Erstarrungsfront eben - glattwandige Erstarrung. Es werden keine Dendriten gebildet.
Grund: Wenn ein Kristall an der Erstarrungsfront hinaus in die Restschmelze wächst, so bildet er sich aufgrund der höheren Umgebungstemperatur wieder zurück (wird quasi wieder eingeschmolzen).
2. Temperatur in der Schmelze ist niedriger als im Kristall.
In den Fällen in denen die Wärme über die Schmelze abgeleitet wird (bei starker Unterkühlung der Schmelze), wachsen von der Erstarrungsfront ausgehend lange Kristalle und bilden hier die Dendriten. Die Erstarrungsfront ist uneben - dendritische Erstarrung.
Grund: Wenn ein Kristall über die Erstarrungsfront hinaus in die Restschmelze wächst, so kristallisiert an ihm die kalte Schmelze und er kann schnell, oft unter Verzweigung in alle Richtungen, weiter wachsen.

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