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Für den Fall, dass man kein Spektralgerät
zur Verfügung hat, bei einer Vorortprüfung nicht einsetzen kann oder keine
Erfahrung mit der Funkenprüfung hat, gibt es die Möglichkeit der Durchführung
eines chemischen Schnelltests. Bei diesem Tüpfeltest prüft man auf das Vorhandensein
von Molybdän im austenitischen Werkstoff. Damit lassen sich schnell und recht
zuverlässig CrNi-Stähle (V2A) wie z.B. 1.4301 und CrNiMo-Stähle (V4A)
wie z.B. 1.4401 unterscheiden. Dieser Schnelltest ersetzt natürlich keine vollständige
chemische Analyse oder Spektralprüfung.
Versuchsdurchführung :
1. Zuerst wird die Prüfreagenz, in diesem Fall
Königswasser, angesetzt. Königswasser besteht zu 3 Teilen aus Salzsäure
(HCl) und 1 Teil Salpetersäure (HNO3).
2. Um die schützende Passivschicht (Chromoxidschicht)
zu entfernen wird die Probe an der zu prüfenden Stelle mit Schmirgelpapier gesäubert
und etwas angeschliffen. Ohne einen leichten Anschliff würde die spätere
Prüfung etwas behindert und die Reaktion verzögert.
3. Ein bis zwei Tropfen von dem "frisch angesetzten"
Königswasser werden auf die zu prüfende Probe / Prüffläche aufgebracht.
Ein Weglaufen der Tropfen ist nach Möglichkeit zu verhindern (Planstellen des
Prüflings oder bei Großteilen Prüfung auf der oben liegenden Seite).
4. Nach ca. 1-2 Minuten (dies ist abhängig von
der Umgebungstemperatur) findet eine chemische Reaktion mit dem Material statt, die
sich im Laufe der Zeit verstärkt. Die ursprünglich schwach gelbliche Reagenzflüssigkeit
verfärbt sich beim molydänhaltigen Chrom-Nickel-Stahl dunkelbraun (2).
Bei dem bräunlichen Reaktionsprodukt handelt es sich um ausgefälltes Molybdän.
Bei dem Chrom-Nickel-Stahl ohne oder nur geringen Anteilen an Molybdän findet
nahezu keine Verfärbung des Ätzmittels statt (1).
Achtung :
Bei diesem Test wird die Oberfläche an der zu
prüfenden Stelle durch das Schleifen und die chemische Reaktion mit der Säure
etwas geschädigt. Darum ist darauf zu achten, dass der Test an Fertigteilen nicht
an später sichtbaren Bereichen der Oberfläche durchgeführt wird. Die
Spuren des Test sind nach Möglichkeit durch abschmirgeln und/oder örtliches
passivieren wieder zu beseitigen. Königswasser ist ein starkes Ätzmittel
und deshalb sind die einschlägigen Sicherheitsvorschriften zu beachten.
Beispielbilder
(1) linke Probe 1.4301 (X5CrNi18-10)
(2) rechte Probe 1.4401 (X5CrNiMo17-12-2)
nach 30 Sekunden
nach 1,5 Minuten
nach 3 Minuten
nach 4 Minuten

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